Imkerbrief 2021 -05

Corona-Bienchen Blüten locken… Es flog umsonst, es war zu trocken, und außerdem auch nachts zu kalt… Doch jetzt wird ´s warm und schon sehr bald, erfüllen sich die Imkerträume und schwer sind dann die Honigräume!


Liebe Imkerinnen und Imker im Verein, liebe Freunde, Unterstützer und Gönner,

der Wonnemonat Mai steht vor der Tür. Jetzt beginnt die heiße Phase für die Imkerinnen und Imker und natürlich für unsere Bienen. Ganz offensichtlich sind wir, was die Völkerverluste angeht, im Verein gut durch den Winter gekommen. Nur vereinzelt wurden uns tote Völker gemeldet. Einige Imker berichteten auch von Königinnenverlusten und drohnenbrütigen Völkern, aber der Schaden ist sehr begrenzt. Allgemein ist die Völkerentwicklung sehr unterschiedlich. Es gibt einige gut entwickelte Völker, die den zweiten Brutraum komplett ausgebaut haben, aber auch viele Völker, die einfach noch nicht soweit sind. Teilweise werden jetzt erst die letzten Waben ausgebaut. Oft werden die Honigräume nur zögerlich angenommen. Und dabei blüht es doch „volle Kanne“ im Wiesbadener Stadtgebiet. Neben den Kirschen und zunehmend jetzt auch schon den Apfelbäumen blüht der Raps leuchtend gelb. Da müsste doch eigentlich was gehen…
Ein Blick auf die Waage belehrt uns eines Besseren: Bis vor wenigen Tagen haben die Bienen noch gezehrt. Zwischen 100 und 200 Gramm ging die Gewichtsanzeige zurück. Dann hat sich das Bild zwar umgekehrt, aber die Zunahme bewegt sich zwischen 200 und 400 Gramm je Tag… Was ist da los: Die Erklärung bringt ein Blick auf den Regenmesser. Im ganzen April waren bei uns bis zum 28. des Monats nur 15 Liter Regen gefallen. Viel zu wenig, denn der Wind hat die ganze Feuchtigkeit aufgesogen. Zwar brachten die tief wurzelnden Bäume noch Nektar, aber der Raps „nektarte“ so gut wie nicht…

Zudem haben die Völker große Brutbretter und müssen den Nachwuchs füttern. Auch die sehr kalten Nächte fordern ihren Tribut, weil viel Heiz-Energie benötigt wird.
Fürsorglich, wie der Vorstand nun einmal ist, hat er wieder einmal sein Bestes gegeben: Wir haben im Interesse unserer Mitglieder einen intensiven, coronakonformen, virtuellen indianischen Regentanz aufgeführt. Das Ergebnis spricht für die Effektivität unseres Handelns: 15 Liter in einer Nacht! …

Am Bienenstand
Schwarmlenkung

In unserem letzten virtuellen Stammtisch – der übrigens erfreulich gut besucht war, worüber wir uns sehr gefreut haben – wurde das Thema der Schwarmlenkung besprochen. Jetzt wird es in den Beuten langsam eng und das königliche Pheromon immer dünner. Zeichen für die Immen, den Auszug vorzubereiten. Noch findet man bei der Durchsicht vorwiegend die heidelbeerförmigen Spielnäpfchen. Das kann sich schlagartig ändern und dann werden die ersten Weiselzellen angelegt. Wichtigste Arbeit am Stock ist deshalb die regelmäßige Durchsicht im Sieben-Tage-Rhythmus. Wie man den Schwarm mit einfachen Mitteln verhindern kann, haben wir in unserer Präsentation gezeigt. Nur zur Erinnerung: Ablegerbildung und Drohnenschnitt mildern den Schwarmdruck erheblich. Wer die Powerpoint-Präsentation, in der wir die wichtigsten Möglichkeiten dargestellt haben, gerne als Arbeitsgrundlage haben möchte, schickt uns eine Mail unter info@imkerverein-wiesbaden.de.

Aus dem Verein:
Online-Stammtisch
Der nächste Online-Stammtisch mit Imkerberatersprechstunde, am Donnerstag, 20. Mai, wird sich mit der Honiggewinnung und auch den hygienischen und gesetzlichen Vorschriften befassen. Der Einladungslink kommt wie immer einige Tage vorher per Mail. Wir werden – weil es sich sehr bewährt hat – auch wieder eine Erinnerungs-SMS versenden. Merkt Euch den Termin schon mal vor. Beginn ist wie immer um 19 Uhr.

Zuckerrüben-Monitoring

Auf Bitten des Bieneninstituts in Kirchheim beteiligen sich eine Reihe von Imkern am „Zuckerrüben-Monitoring. Wie Ihr vermutlich mitbekommen habt, gab es eine Notfallzulassung zur Beizung von Zuckerrübensaatgut mit dem Wirkstoff Thiamethoxam. Der Wirkstoff Thiamethoxam ist für Bienen hochgiftig, allerdings sollte es bei sachgerechter Anwendung zu keinen Kontakten kommen. Daher sind in den betroffenen Gebieten keine akuten Bienenschäden zu erwarten. Dennoch könnte es bei der Aussaat des gebeizten Saatguts zu Anwendungsfehlern oder nach dem Auflaufen der Zuckerrüben zur Ausscheidung wirkstoffhaltiger Wassertröpfchen (Guttation) kommen, die von wassersuchenden Bienen aufgenommen werden. Das gilt es aufmerksam zu beobachten.
Das Bieneninstitut möchte Bienenvölker in den betroffenen Regionen überwachen und insbesondere Rückstandsuntersuchungen durchführen. Die Fragestellung ist, taucht der Wirkstoff Thiamethoxam in den Bienenvölkern auf. Dazu werden Pollen- und später auch Honigproben gezogen. Dank der guten Zusammenarbeit mit unseren Landwirten konnten wir Bienenstände identifizieren, die in unmittelbarer Nähe zu den Zuckerrüben-Aussaatflächen liegen, so dass ein repräsentatives Ergebnis für Wiesbaden erwartet werden kann.
Monatlicher Imkerbrief des Imkervereins Wiesbaden Mai 2021

Bienenschwarm-Meldetelefon aktiv


Seit letzter Woche haben wir das Bienenschwarm-Meldetelefon aktiviert und dies auch über die Medien bekannt gemacht. Die Rufnummer lautet: 0177 1671175. Informiert wurde auch die Feuerwehrleitstelle, die Polizei und das Bürgertelefon. Im letzten Jahr hatten wir zwischen Anfang Mai und Anfang Juni rund 40 Meldungen. Etwa die Hälfte der Anrufe erwiesen sich als Fehlalarme oder die Schwärme waren weitergezogen, bzw. nicht erreichbar. Dabei waren auch einige sehr aufwändige Bergungen beispielsweise aus dem Fußboden einer Mansardenwohnung oder aus dem First einer Dachbaustelle. In Zusammenarbeit mit den Handwerkern konnten beide Bergungen erfolgreich durchgeführt werden. Das Schwarmtelefon wird im wöchentlichen Wechsel zwischen den Imkern, die sich zur Mitarbeit gemeldet haben, weitergegeben. Ihnen steht frei, ob sie die Schwärme selbst bergen, oder einen anderen Imker bitten dies zu tun. Derjenige, der einen Schwarm einfängt, ist nach Gesetz auch dessen Besitzer. Im vergangenen Jahr haben wir auch mehrere Schwärme kostenlos an Jungimker oder uns angeschlossenen gemeinnützigen Institutionen abgegeben. Ganz nebenbei: Der erste Schwarm wurde bereits am 24. April in Kostheim gemeldet. Er wurde vom Imker, aus dessen Stand er stammte, versorgt.

Blumenzwiebel-Retter

Unsere Idee, auf den Friedhöfen in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt Sammelbehälter für abgeblühte Blumenzwiebeln aufzustellen, macht im ganzen Land Furore. Innerhalb weniger Tage haben sich bei uns Imkervereine aus ganz Deutschland gemeldet, die diese Aktion ebenfalls durchführen wollen. Ihnen haben wir unsere Unterlagen natürlich gerne zur Verfügung gestellt. Ganz schnell war die Nachbarstadt Hochheim. Innerhalb kürzester Frist wurden dort Sammelkörbe aufgestellt. Bei uns füllen sich die Körbe unterschiedlich. Einige „Blumenzwiebel-Retter“ melden jede Menge Zwiebelspenden, bei anderen sind die Körbe nur sporadisch gefüllt. Das hat – wie wir festgestellt haben – seinen Grund. Gartenbesitzer holen sich hier auch den Frühlingsflor für das nächste Jahr. Wir finden, das ist total in Ordnung, Hauptsache die Zwiebeln landen nicht auf dem Kompost. Die Aktion „Blumenzwiebel-Retter“ für die der Verein übrigens alle Kosten übernommen hat, endet Mitte Mai. Sie ist einer von vielen gemeinsamen Aktionen, die wir mit der Stadt Wiesbaden und deren Ämtern durchführen.

easyBee Box
In den letzten Tagen hatten wir mehrere Anrufe und Mails wegen der Easy Bee Box, mit der – Zitat: …jeder im eigenen Garten artgerecht Bienen pflegen kann…“ Die easy Bee Box wurde auf VOX-TV in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ propagiert. Wir haben auf diese Anfragen wie folgt geantwortet: Die Berichte und Filme zu „Easy bee box“ haben wir auch gesehen und waren schlicht und einfach entsetzt. Wer Bienen halten will braucht eine umfassende Ausbildung, denn Bienen reagieren sehr empfindlich. Das ist eine komplexe Lebensgemeinschaft, die in ihren Abläufen intensiv beobachtet und betreut werden muss: Wer imkern will, muss Zeit haben, die biologischen Vorgänge kennen und auch die Gefahren, die den Bienen durch Seuchen, Krankheiten und Umwelteinflüssen drohen. Da ist nix „easy“. Deshalb bieten wir auch Kurse an. Voraussetzung für die Teilnahme ist die erfolgreiche Teilnahme am Online-Lehrgang „Die Honigmacher“, die mit einem Zertifikat abschließt. Nur wer das Zertifikat erworben hat, verfügt über die theoretischen Kenntnisse, um dann am „Praxiskurs Imkern“ teilzunehmen, der die Kenntnisse und Handgriffe zum Inhalt hat, die ein Imker im Jahresverlauf anwenden muss. https://www.die-honigmacher.de/kurs5/index.html Nach allem was wir gesehen, gelesen und auch von Anwendern erfahren haben, ist die „Easy bee box“ eine „Bienenvernichtungsmaschine“ und die Gewinner sind nur die Verkäufer. Wir können Ihnen deshalb hierfür keine Unterstützung bieten, weisen Sie aber darauf hin, dass die Bienenhaltung auch gesetzlichen Vorschriften und Meldeauflagen unterliegt, die eingehalten werden müssen. Der Grund hierfür ist die Gefahr unerkannter Bienenkrankheiten, die sich sehr schnell verbreiten und damit zur Gefahr für alle Honigbienen der Region werden. Kurzum: Bienenpflege macht Spaß und ist ein tolles Hobby – aber nur, wenn man die Zeit dafür hat und weiß, was man tut. Ansonsten kann man auch sehr viel für die Bienen machen, ohne Bienen zu halten. Beispielsweise durch bienenfreundliche Gärten oder Balkonpflanzen, die Insekten Nahrung und Nistmöglichkeiten geben.

Nicht Jede Kiste eignet sich für die Bienenhaltung. Und ohne eine fundierte Ausbildung ist der Ausgang des Experiments vorprogrammiert. Mit katastrophalen Folgen für das Bienenvolk und eventuell auch für die Imkerei einer ganzen Region.


Wir wünschen Euch einen schönen, blütenreichen Mai
Der Vorstand