Imkerbrief 2021 -9

Liebe Imkerinnen und Imker,

könnt Ihr Euch vorstellen, in stockdunkler Nacht auf einer kurvigen Straße mit Tempo 50 ohne Licht durch einen Wald zu fahren? – Sicherlich nicht, denn die Gefahr an einem Baum zu landen und dabei „auf der Strecke zu bleiben“, ist groß. Genau das machen in übertragenem Sinne aber viele Imker bei der Varroabehandlung. Ohne Kenntnisse des aktuellen Varroabefalls wird halt mal mit Ameisensäure behandelt… Zwar liegen während der Applikation viele der Plagegeister auf dem Bodenbrett, aber ob die Behandlung erfolgreich war, das weiß man halt nicht, weil man im Blindflug gestartet ist.



Vor der Behandlung steht die Diagnose. Wie viele Milben sind augenblicklich im Volk? Ist die Schadschwelle überschritten? Nur wer diese Daten kennt, kann seinen Völkern eine gute und erfolgreiche Behandlung zukommen lassen.

Online-Tipp: Varroa-App gibt den Überblick

Eine wirklich gute Hilfe ist die „VarroApp“. Die Varroa-App unterstützt Imker bei der Feststellung des Befalls, bei der Beurteilung der Belastung und bei der Behandlung von Bienenvölkern gegen die Varroa-Milbe. Wir haben sie über einen längeren Zeitraum getestet und geben Ihr die Note „Sehr hilfreich!“.
Die Beurteilung und die Behandlungshinweise erfolgen nach dem Bayerischen Varroa-Behandlungskonzept und beziehen die unterschiedlichen Verlaufsphasen (Winter, Frühjahr, Sommer, Reinvasion) mit ein. Besonders hilfreich: Die App hat eine Schnittstelle zum Varroawetter und zum Trachtnet und gibt deren Daten mit Bezug zum aktuell ausgewählten Standort aus. Die grundlegenden Funktionen der Varroa-App beinhalten eine Standort- und eine Völkerverwaltung, in der beliebig viele Standorte mit beliebig vielen Völkern angelegt werden können. Drei Menüs, das Hauptmenü, das Standort-Menü und das Volk-Menü ermöglichen zahlreiche Funktionen. U.a. Behandlungshinweise, standortbezogene Stockwaagen-Gewichte der nächstgelegenen Waage, man kann das Volk selbst bearbeiten und es auch an einen anderen Standort versetzen. Das finden wir für alle diejenigen praktisch, die auf eine digitale Dokumentation setzen: Integriert sind außerdem eine vollständige Stockkarten-Führung und -Verwaltung sowie eine Verwaltung der Varroa-Behandlungen mit automatischer Führung eines standortbezogenen Bestandsbuch (gesetzlich vorgeschrieben). Die Eigenschaften eines jeden Volkes (Königin, Sanftmut, Schwarmverhalten, Ertrag u.v.m.) können definiert werden. Es ist eine Web-Version auf https://varroa-app.de verfügbar, die in allen gängigen Internet-Browsern, auch auf iOS-Geräten läuft. Die Android- und die Web-Version arbeiten mit denselben Daten, d. h. ein Nutzer kann beliebig zwischen den Versionen wechseln, unterwegs oder zuhause, es sind immer die aktuellen Daten verfügbar.

Unser Tipp: Runterladen, anschauen, testen, und wenn es passt, benutzen…

Am Bienenstock
Im September neigt sich das Bienenjahr dem Ende zu. Die Winterbienen sollen gesund schlüpfen, deshalb ist die sogfältige Varroa-Behandlung besonders wichtig. Wer mit Ameisensäure behandelt, der sollte unbedingt das Wetter im Auge behalten. Hinweise zur Wirkungsweise im Zusammenhang mit dem Wetter gibt es bei www.varroawetter.de. Nach wie vor ist der Diagnoseschieber das wichtigste Utensil am Stand. Der Milbenfall während und nach der Behandlung gibt Aufschluss über die Effektivität der Maßnahmen. Drei Wochen nach der Ameisensäurebehandlung sollten Ende September/Anfang Oktober nicht mehr als fünf Milben pro Tag fallen. Ansonsten sollte nachbehandelt werden. Das ist durchaus möglich, denn auch im Oktober gibt es warme Tage.
Im September ist auch Zeit für die Auffütterung. Ein Wirtschaftsvolk sollte wenigstens 20 bis 23 kg Futter haben, ein Ableger braucht etwa 15 kg. Ausführliche Hinweise zur Fütterung gibt es hier: https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/fuetterung_.pdf

Aus dem Verein
Wieder Imkerstammtisch
Nach fast eineinhalb Jahren können wir uns wieder zu einem Imkerstammtisch treffen. Er findet am Dienstag, 14. September, ab 19 Uhr, im Gasthaus „Zum Adler“ in Delkenheim statt. Hierzu gibt es auf unserer Internetseite www.imkerverein-wiesbaden.de wichtige Informationen und auch ein Anmeldeformular. Die Anmeldung ist nur über das bereitgestellte Formular möglich. Ohne Anmeldung ist nach den derzeit geltenden Corona-Regeln keine Teilnahme möglich.

Alljährliche Völkermeldung
Jedes Jahr ist im September die verpflichtende Völkermeldung an den Verein und auch das zuständige Veterinäramt fällig. Stichtag ist der 15. September. Gemeldet werden müssen an den Verein alle Völker, die im kommenden Jahr als Wirtschaftsvölker geführt werden sollen. Die Völkermeldung hat Konsequenzen, denn nur gemeldete Völker sind versichert. Unterbleibt die Meldung an den Verein, wird im Schadensfall von der Versicherung keine Entschädigung bezahlt. Außerdem richten sich Beitragsanteile auch nach der Anzahl der gemeldeten Völker. Wir haben auf unserer Homepage ein Formular bereitgestellt, das die Meldung online ermöglicht. www.imkerverein-wiesbaden.de


Neben der Meldung an den Verein ist die Meldung an das zuständige Veterinäramt nach der Bienenseuchenverordnung gesetzlich verpflichtend. Sie ist deshalb so wichtig, weil bei einem Ausbruch einer Bienenseuche an einem Stand die umliegenden Imker informiert und in das Bekämpfungskonzept einbezogen werden können. Unterbleibt die Meldung, kann dies ein erhebliches Ordnungsgeld nach sich ziehen – ganz abgesehen davon, dass auch Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden können. Es genügt nicht, wenn der Bienenstand irgendwann einmal gemeldet wurde. Die Meldung muss alljährlich neu erfolgen! Wir haben auf unserer Homepage für diejenigen, die ihre Bienen im Stadtgebiet von Wiesbaden pflegen, hierfür ein Formular zur Verfügung gestellt, das eine Online-Meldung ermöglicht. Alle Imker, die Bienenstände außerhalb des Stadtgebietes pflegen, müssen ihre Meldung formlos per Mail an das für sie zuständige Veterinäramt senden. www.imkerverein-wiesbaden.de

Projekt „Vitalbiene“
Mit mehr als 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war der Praxistag „Projekt Vitalbiene“ am Samstag, 7. August, im Bienenpark gut besucht. Ziel des Vorhabens ist es, eine Varroa-Sommerbehandlung ohne Ameisensäure zu ermöglichen. Thomas Heynemann-Küenzi vom Bieneninstitut Kirchhain stellte das Projekt noch einmal vor und zeigte dann die praktischen Maßnahmen: Suchen der Königin, Käfigen und das Einpassen des Käfigs in eine Wabe. Auch die nachfolgenden Arbeiten nach Erlangung der Brutfreiheit wurden eingehend erläutert. In der anschließenden Fragerunde spielte das Thema „Eventuelle Königinnenverluste“ eine Rolle, zumal in mehreren Veröffentlichungen in der Fachpresse auf dieses Problem hingewiesen wurde. Dass hier die am Projekt teilnehmenden Imkerinnen und Imker keinen Nachteil haben dürfen, machte der Vorsitzende Siggi Schneider deutlich, der darauf hinwies, dass nach Ansicht des Vorstandes des Imkervereins Wiesbaden die Käfige durch den Projektträger kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen. Eventuelle Weiselverluste sollten durch das Institut ausgeglichen werden. Er befürchtet, dass die Bereitschaft der Imkerinnen und Imker zur Mitarbeit stark reduziert werde, wenn kein Risiko- und Kostenausgleich erfolge. Seitens des Bieneninstituts wurde zugesagt, das vom Imkerverein Wiesbaden angeregte „Regelbuch“ zeitnah zu erstellen und zur Verfügung zu stellen. Das Projekt soll 2022 starten.

Praxistag „Teilen und Behandeln“
Auch die beiden Praxistage „Teilen und Behandeln“, die von unserer Bienensachverständigen Petra Wander an deren Bienenstand veranstaltet wurden, waren gut besucht. Ganz offensichtlich suchen viele Vereinsmitglieder nach Alternativen zur sommerlichen Ameisensäurebehandlung, die auf Grund des Klimawandels immer schwieriger erfolgreich durchzuführen ist. Die Teilnehmer der Praxistage waren sich einig darin, dass „TuB“ eine sehr einfache und bienenfreundliche Art der Behandlung darstellt und wollen im kommenden Jahr diese Form der Varroabekämpfung anwenden. Petra Wander hat zwei Dokumente bereitgestellt, die „TuB“ sehr anschaulich erläutern. Anforderung unter bsv@imkerverein-wiesbaden.de. Auch das Bieneninstitut Celle stellt zu diesem Thema einen Infobrief bereit. Wir fügen ihn als Download bei.

Königinnen finden
Viele Imkerinnen und Imker haben Schwierigkeiten, die Königinnen in einem Wirtschaftsvolk zu finden, in dem es von Bienen nur so wimmelt. Es gehört halt schon ein wenig Übung dazu, die Weisel zu finden – wobei die Erkenntnis hilft, dass sie sich meist dort, wo die Ammenbienen sitzen, die Brut versorgen und Gelee Royal im Angebot haben, befindet. Also Waben mit offener Brut. Wir werden mit den kommenden Imkerbriefen immer wieder ein Bild von einer Wabe mitschicken, auf der sich irgendwo die Stockchefin versteckt hat. Viel Spaß beim Suchen! Das Bild findet Ihr im Anhang zum Vergrößern. Wer die Weisel gefunden hat, kann uns ja ein Bild mit der eingekreisten Weisel schicken. Wir verlosen einen Rähmchendrahtspanner.

Wahlprüfsteine des Deutschen Imkerbundes e.V. zur Bundestagswahl
Der Deutsche Imkerbund hat den im Bundestag vertretenen Parteien Wahlprüfsteine zu folgenden imkerlich relevanten Themen eingereicht-
 Förderung der biologischen Vielfalt / Bestäuberschutz
 Erhalt günstiger Rahmenbedingungen für Honigbienen
 Pflanzen- und Bienenschutz
 Bienengesundheit
 Neue grüne Gentechnik
 Ehrenamt

Nun liegen uns die Antworten der Parteien vor. Mit den Wahlprüfsteinen möchte der DIB eine bessere Orientierung vor der Wahl geben. https://deutscherimkerbund.de/446-Wahlpruefsteine_zur_Bundestagswahl_2021.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen beim Stammtisch am 14. September
Der Vorstand

Bildnachweis: Alle Grafiken aus der freien Datenbank pixabay.com und eigene Illustrationen Grafik zur Varroa-Befallsschwelle: Dr. Pia Aumeier