Imkerbrief 2021-10


Liebe Imkerinnen und Imker, liebe Freunde und Förderer des Vereins,

das Bienenjahr neigt sich dem Ende zu. In Wiesbaden haben wir einen schönen Spätsommer mit warmen und sonnigen Tagen erlebt, die uns Gelegenheit gegeben haben, unsere Völker gut auf den kommenden Herbst und Winter vorzubereiten. Die Felder sind abgeerntet, es gibt – abgesehen von Efeu und Balsamine (Drüsiges Springkraut) – kaum noch Blüten mit einem Nektarangebot und auch die Königinnen reduzieren die Eiablage angesichts der kommenden kalten Jahreszeit.

Am Bienenstock
Die Spätsommerpflege und Auffütterung der Völker müsste jetzt Ende September weitestgehend abgeschlossen sein. Restmengen an Futter werden aber noch gut aufgenommen, denn tagsüber verzeichnen wir Temperaturen immer noch deutlich über zehn Grad. Zweizargige Völker sollten 18 bis 20 Kilogramm (zwölf volle Waben), einzargige Völker 14 bis 15 Kilogramm (ca. sieben volle Waben) Wintervorrat haben. Wer mit einer Waage arbeitet, sollte das Gewicht seiner Beuten kennen. Dazu werden ein Boden, eine mit Leerwaben gefüllte Zarge und ein Deckel gewogen. Für Bienen, Brut und Pollen rechnet man zwei Kilo dazu. Die Differenz zum tatsächlichen Gewicht des Bienenstocks entspricht dann dem Futtervorrat. Auch wenn die Völker ihr Sollgewicht erreicht haben, sollte man sich nicht in Sicherheit wiegen und ab und zu nachprüfen, denn noch haben die Bienen große Brutnester. Wie sich das Gewicht eines einzargigen Volkes in Bachnähe, wo reichlich Balsamine und Efeu blüht, im September verändert hat, zeigt unsere Grafik:

Weiterhin auf Varroabefall achten

Auch im Oktober legen wir für drei Tage die Windel ein. Jetzt sollte nur eine der Plagegeister pro Tag auf dem Diagnosebrett zu finden sein, wenn die letzte Behandlung mehr als drei Wochen zurückliegt und der natürliche Milbenfall wieder eingesetzt hat. Sollten es mehr sein, ist eine weitere Behandlung mit Ameisensäure an warmen Tagen durchaus noch möglich.

Ein Blick auf www.Varroawetter.de ist hilfreich! Bevor es kalt wird, sollte man auch an Mäusegitter und Spechtschutz denken. Ein Stein auf der Blechhaube verhindert, dass diese von den Herbststürmen verweht wird.

Aus dem Verein
Riesig gefreut haben wir uns über die sehr rege Beteiligung an unserem ersten „Live-Stammtisch“ nach den Corona-Restriktionen in unserem Vereinslokal „Adler“. Der warme Spätsommerabend machte es möglich, noch einmal draußen zu sitzen. Die Wiedersehensfreude bei den anwesenden Imkerinnen und Imkern war groß und es bestand reichlich Gesprächsbedarf. Wie immer haben wir aktuelle Fragen beantwortet und Tipps zu Praxis gegeben.

Nächster Stammtisch
Im Oktober werden wir den Stammtisch etwas später als gewohnt veranstalten – unser Wirt macht den verdienten Jahresurlaub. Wir treffen uns nun am Dienstag, 26. Oktober, um 19 Uhr im Vereinslokal „Adler“ in Delkenheim. Es ist wieder eine Online-Anmeldung erforderlich. Teilnehmen können alle, die geimpft oder genesen sind (G2). Das entsprechende Formular findet Ihr auf der Web-Site des Imkervereins Wiesbaden.
Anmeldeschluss ist Freitag, 22. Oktober, 18 Uhr.

Arbeitseinsatz im Bienenpark am Samstag, 2. Oktober
Unser „Herz“, der Bienen-Lehrpark Aukamm, hat unter Corona gelitten und braucht dringend Pflege. Bäume und Büsche sind im Sommer gewaltig gewachsen und müssen geschnitten werden. Auch der Rasen braucht einen Schnitt und in unserer Trockensteinmauer haben sich einige Pflanzen eingenistet, die wir dort nicht haben wollen. Für die Imkerinnen und Imker, die ein Volk im Bienenpark stehen haben, ist der Arbeitstag am Samstag, 2. Oktober, Pflicht – für alle anderen eine schöner Termin, denn es bietet sich die Möglichkeit, endlich wieder andere zu treffen, mit ihnen Erfahrungen auszutauschen und Tipps zu bekommen. Wir würden uns sehr freuen, wenn neben unserem Greenkeeper Daniel auch das eine oder andere Mitglied zu uns stößt, das gärtnerische Erfahrung hat, um die Helfer anzuleiten. Wir beginnen am Samstag, 2. Oktober, um 10 Uhr – gegen 13 Uhr wollen wir die Gartengeräte wieder in die Hütte stellen.

Blumenzwiebel-Retter-Pflanzaktion
Im Frühjahr haben wir auf den Wiesbadener Friedhöfen einige tausend Frühblüher vor dem Kompost gerettet. – Jetzt im Herbst müssen die Zwiebeln in die Erde, damit nach dem Winter für Bestäuberinsekten viele zusätzliche Nahrungsangebote entstehen. In Delkenheim an der Karl-Gärtner-Schule steht eine große Blumenwiese zur Verfügung, die wir aufwerten wollen und die sich als Pflanzort eignet. Am Samstag, 9. Oktober, 10 bis 12 Uhr wollen wir dort einige hundert Zwiebeln in die Erde bringen und auch Bereiche der Wiese neu einsäen. Wer mithelfen möchte, bringt bitte Spaten, Hacke, Rechen oder Grabgabel mit. Helferangebote bitte an info@imkerverein-wiesbaden.de. Weitere Pflanzaktionen auf den Friedhöfen werden im Moment noch mit dem Amt abgestimmt.

Fachzeitschrift „Bienenzucht Hessen“
Ende Oktober verschickt der Landesverband Hessischer Imker (LHI) ein Musterexemplar der Zeitschrift „Bienenzucht Hessen“ an alle Mitglieder. In dieser Publikation können die Vereine ihre Veranstaltungen und Termine publizieren. Da wir im Imkerverein Wiesbaden über ein sehr gutes und funktionierendes Informationsnetzwerk verfügen, werden wir dieses Medium nicht nutzen und vertrauen auch weiterhin auf die gute Zusammenarbeit mit den bereits am Markt befindlichen Fachzeitschriften und deren Kompetenz.

Völkermeldung abgeschlossen
Die alljährliche Meldung von Bienenvölkern an den Verein ist für 2021 beendet. Wir haben uns sehr über die außerordentlich rege Beteiligung gefreut, wozu sicherlich auch die Online-Formulare auf unserer Web-Site beigetragen haben. Vielen Dank für die bereitwillige Mitarbeit, die uns die Arbeit sehr erleichtert. Meldungen an das Veterinäramt sind noch bis Ende September möglich.

Kinofilm „Tagebuch einer Biene“

Am 7. Oktober kommt der abendfüllende Film „Tagebuch einer Biene“ in die Kinos. Wer an Bienen denkt, hat vermutlich als erstes Honig und dann die außergewöhnliche Gemeinschaft im Kopf, nah der tausende Arbeitsbienen für eine einzige Königin schuften. Doch anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse von Professor Jürgen Tautz, zu dem wir sehr freundschaftliche Kontakte pflegen, zeigt die spannende Dokumentation, dass das große Insekten-Kollektiv nicht nur eine einheitliche Masse ist.
Drei Jahre Dreharbeiten, spezielle Makrokameratechnik und unendlich viel Geduld – mit diesen Mitteln hat es Regisseur Dennis Wells geschafft, das Leben einer Honigbiene fürs Kino einzufangen. Die spektakulären Aufnahmen ermöglichen ganz neue Einblicke in die Welt der Bienen – die Erzählung bleibt wissenschaftlich korrekt. Denn mittlerweile weiß man, jede Biene hat ihren eigenen Kopf. Die kleine Protagonistin stellt sich mit viel Mut, Schläue und Erfindungsgeist den Herausforderungen eines Bienenlebens: Blumen finden, Hornissen bekämpfen, ein Nest bauen. Aber wehe sie wird draußen von einem Regenschauer überrascht – ein einziger Regentropfen kann tödlich sein… TAGEBUCH EINER BIENE schafft es durch neuartige Kameratechnik einer einzelnen Biene so nah zu kommen wie nie zuvor und sie bei ihren Abenteuern zu begleiten – vom Schlupf bis zum letzten Flügelschlag. Hier geht es zum Trailer.

Lesetipps:
Der SPIEGEL setzt sich immer wieder mit der Problematik des Insektensterbens auseinander. In einem sehr gut recherchierten Artikel mit dem Titel „Tödliches Sommerloch“ ziehen die Redakteure nicht nur eine ernüchternde Bilanz, sondern zeigen auch auf, wie wir die Lebensbedingungen für (Wild-)Bienen, Hummeln und andere Bestäuber verbessern können: hier.

Fernsehtipp
Oktoberblues und nix im TV-Programm, das so richtig für den entspannenden Abend passt? Da hätten wir was: Im NDR in der Mediathek gibt es einen schönen Film, der sich um unsere Lieblinge dreht und Lust auf die Imkerei macht. Wobei der Varroacontroller am Ende des Films sehr umstritten ist… https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_nordstory/die-nordstory-Mit-Herz-und-Seele-fuer-die-Bienen,dienordstory1264.html


Wir wünschen allen einen schönen und bunten Herbst!
Der Vorstand

Alle Grafiken aus der freien Datenbank Pixabay sowie aus eigenem Foto- und Grafikbestand.